Student sein, Korporierter werden



-Von der Fuxenzeit in einer Studentenverbindung -





Was ein Fux ist, was er zu tun hat, was er nicht darf, darüber scheiden sich zum Teil heute noch die Geister.

Ja, es steht noch nicht einmal mit Sicherheit fest, wie dieses merkwürdige Wort orthographisch richtig geschrieben wird, die einen beharren auf einem X, während andere auf das CHS schwören, Einigkeit über die rechtliche Stellung des Fuxen gibt es noch nicht einmal im hohen Burschensalon, wo man doch annehmen müßte, daß gerade dessen Insassen noch aus früherer Erfahrung wissen müßten, was Sache ist. Die Hardliner in diesem Völkchen sehen im Fux immer noch so etwas wie ein mehr oder persönliches Arbeitstier, dessen Verhältnis zum Burschen sich in der Weise darstellt, wie es schon in einer uralten Weisheit zitiert wird - Der Fuchs ist der Rotz am Ärmel des Burschen. Eine etwas modernere Darstellung sieht im Fux ein Mitglied auf Probe in einer studentischen Verbindung.

Beide Extreme scheinen jedoch an des Pudels Kern vorbeizuzielen.

Die erstere Position mag dem ein oder anderen noch als wohlige Erinnerung an alte Burschenherrlichkeit im Kopfe herumspuken, ist aber mit der Zeit unhaltbar geworden, da sich wohl niemand mehr in freiwillige Sklaverei begeben würde, um seinem Herrn und Meister jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.

Die zweite Position erscheint zwar formaljuristisch die Stellung eines Fuxen richtig zu beschreiben, wer allerdings annimmt, dies sei alles, ist auf dem Holzweg, Mitglied auf Probe kann man auch im Kaninchenzüchterverein oder ähnlichen gesellschaftlichen Gruppierungen werden. Es muß schon mehr dahinter stecken.

Fux zu werden, und damit in eine Studentenverbindung einzutreten, bedarf sicherlich erst einmal eines gewissen Mutes und einer Portion Selbstüberwindung. Denn derjenige, der sich aufmacht, eine andere Art studentischen Lebens zu erfahren, weiß, wenn er nicht erblich vorbelastet ist, kaum etwas von diesem bunten Häufchen Couleurstudenten, hat vielleicht noch den "Untertan" gelesen, eine Reportage im Fernsehen im Hinterkopf und einen gewaltigen Wust von Gerüchten, Vorurteilen, Warnungen, Märchen usw. im Nacken. Hat er sich dann durchgerungen, eine Veranstaltung zu besuchen und sich mal ganz unverbindlich zu informieren, muß er sich damit abfinden, die Sympathien gewisser Gesellschaftskreise verscherzt zu haben, und auch die eigenen Freunde benötigen einige Zeit, sich mit dem Gedanken abzufinden, daß man in die Fänge einer Verbindung geraten ist.

Diejenigen, die sich dann allerdings dort einfinden, und die dann als sogenannte Spähfüxe gekeilt werden, lassen dies meist mit einer wohligen Wärme ums Herz geschehen, denn, und das ist das Merkwürdige an der Geschichte, auf wunderbare Weise sind es meist solche Menschen, die irgendwie an diesen Ort passen. Andere, und das kommt leider auch vor, verschwinden ebenso schnell, wie sie erschienen sind. Verspürt man also diese Wärme, so kommt man auch ein zweites Mal, drittes Mal, und irgendwann steckt das Opfer so fest im Netz, daß es nicht mehr hinaus kann. Und somit beginnt das Leben als Fux.

Dieser Einstieg ist oftmals nicht immer unproblematisch, da dem Betroffenen, der die ersten Hürden genommen hat, in mancher Hinsicht nun erst die Augen aufgehen, und zwar dergestalt, daß er erst ab dem Zeitpunkt seiner Rezeption oder noch später erkennt, welche Rechte und welche Pflichten in welchem Umfang er als Fux hat.

Diese Erfahrung zu machen ist vielleicht nicht immer angenehm, diese merkwürdigen Bräuche, dieses Beharren auf Traditionen und Prinzipien, das auch einem außenstehenden Sympathisanten doch recht fremd erscheint. Sobald man jedoch seine erste Kneipe erlebt hat, erscheinen die Lieder im Kommersbuch nicht mehr so verstaubt, sehen die Chargen in Vollwichs nicht mehr wie fremdartige Exoten aus, sondern man erkennt mit der Zeit einen Sinn dahinter, ein Prinzip, hinter dem man steht.

Wenn man eine solche Kneipe erlebt hat, sie Stimmung gefühlt hat und erfahren hat "Ich gehöre dazu", dann läßt man sich mittragen von der allgemeinen Begeisterung, ja man kann fast schon behaupten, daß man süchtig nach solchen Erlebnissen wird. Es ist eben nicht nur ein Sport- oder Kaninchenzüchterverein - und das soll und darf eine Verbindung auch nicht sein - dem man da beigetreten ist. Man trifft sich eben nicht nur, um sich einen zur Brust zu nehmen - obwohl dies auch dazugehören kann - oder einen Small Talk zu halten, sondern man hat sich dazu entschieden, eine Freundschaft zu begründen, die ein ganzes Leben dauern soll, und die sich in gewisser Weise sich über das gesamte Korporationswesen erstreckt.

Erst mit der Zeit wird dies einem Neofux bewußt, wenn er den ganzen Abend die Stoffversorgung übernimmt, von einem Burschen in die Kanne geschickt wurde, zu Veranstaltungen kommen muß, die er langweilig findet, aber keinen passenden Entschuldigungsgrund hat, aber auch wenn er von seinem Biervater zu anderen Veranstaltungen mitgenommen wird, auf Kreuzkneipen andere Verbindungen kennenlernt, mit den Confüxen eine Fahrt z.B. nach Prag oder Nürnberg unternimmt, Vorträge hört, die an der Uni nicht geboten werden usw.

Nicht immer ist es schön, ein Fux zu sein, aber mit näherrückender Burschung immer öfter. Was sind schon zwei Semester, in welchen man sich ein wenig abrackern muß, von Selbstzweifeln geplagt wird und an Sinn und Zweck eines solchen Studiums zu zweifeln beginnt.

In gewisser Weise muß man dazu geboren sein, in eine Verbindung einzutreten und Fux zu werden. Hat man dann das Studium erfolgreich abgeschlossen, ist man also in den Zustand der Inaktivität eines Alten Herrn zurückgesunken, dann wird man sich noch des öfteren im Bart kraulen und denken. -

"Ach wärst du doch noch mal jung und Fux bei der Ubia."